Der Weltkonzern von nebenan: Exkursion zu thyssenkrupp nach Essen

Wussten Sie, dass der Begriff „Rolltreppe“ genaugenommen falsch ist? Und wussten Sie, dass eine 720 m² große Glasfläche sich z.B. bei einem Sturm um bis zu 47 cm verformen kann?

Am 16. Januar 2019 durften 23 Jura-Studentinnen und -Studenten der HHU aus dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht mit den Professoren Rupprecht Podszun und Christian Kersting Blicke hinter die Kulissen des Weltkonzerns thyssenkrupp werfen. Das Unternehmen hat über 160.000 Mitarbeiter in 78 Ländern und erzielt einen Jahresumsatz von über 40 Milliarden Euro. Ein architektonischer Rundgang über das Quartier in Essen, eine Zeitreise zurück zu den kleinen Anfängen, eine moralische Diskussion über die Frage „richtig oder falsch?“, regionale Delikatessen sowie der ein oder andere Fun-fact blieben nicht verwehrt.

Eigentlich stand die Exkursion aber unter der Überschrift: „Wie man sich an Regeln hält: Compliance im Unternehmen“. Eingeladen hatten der Leiter der Compliance-Abteilung Dr. Sebastian Lochen und Dr. Alexander Roos, Compliance Officer bei thyssenkrupp Materials Services.

Eine Befragung unter den Teilnehmenden stellte schnell heraus, dass zwar der Name thyssenkrupp zog. Was Compliance eigentlich bedeutet, war hingegen vielen nur vage bekannt. Da traf es sich gut, dass Dr. Eva Maria Beckmann zunächst das Compliance-Programm des Unternehmens vorstellte. Das Programm bündelt die Aktivitäten des Unternehmens, um Mitarbeiter zur Einhaltung von Regeln zu bringen. Der Grund liegt auf der Hand: Hohe Kartellbußgelder, Schadensersatzansprüche von kartellgeschädigten Kunden oder der Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen sind harte Sanktionen, die ein Konzern wie thyssenkrupp vermeiden muss. Dabei spielen aber auch ethische Bezüge eine Rolle: „Ist das richtig oder falsch“ soll sich jeder Mitarbeitende fragen, bevor gehandelt wird. So jedenfalls formulieren es die Compliance-Beauftragten, die mit dem Slogan werben: „Compliance ist eine Frage der Haltung.“

Die interne Beratung geht selbstverständlich darüber hinaus. Einen Schwerpunkt bilden bei thyssenkrupp Korruptions- und Kartellrechtsvorschriften. Über das Kartellrecht informierte mit viel Witz und Sachkunde Dr. Alexander Roos. Bei einer Case Study von Oliver Zwick und Dr. Christian Wissing stellten die Studenten fest, welche Fallstricke es in der Praxis gibt. Die Besucher schlüpften in die Rolle eines Compliance-Officers bei thyssenkrupp und sollten eine E-Mail-Anfrage aus dem Vertrieb bearbeiten. Denn bei z.B. der Einschaltung von externen Beratern – hier für einen Anlagenbau in Ägypten – bedarf es der Freigabe der Compliance-Abteilung. Also mussten entsprechende Recherchen, u.a. zum Einsatzzweck des Beraters oder zu den Zahlungsmodalitäten des Vertragspartners, angestellt werden. So ergab sich ein plastischer Eindruck zur Alltagstätigkeit eines Compliance-Officers. Ein Vortrag über Compliance-Kommunikation durch Tim Proll-Gerwe, Pressesprecher Recht & Compliance, innerhalb und außerhalb des Unternehmens sowie gegenüber den Medien schloss sich an. Die Compliance-Teams müssen alle Mitarbeiter weltweit erreichen – eine anspruchsvolle Aufgabe.

Übrigens: Eine Rolltreppe rollt nicht, sie fährt. Deswegen ist die korrekte Bezeichnung „Fahrtreppe“.

Viel interessanter Input und eine gute Gelegenheit, zu sehen, wie und wo die Theorie aus dem Studium zur Praxis werden kann.

Vielen Dank an thyssenkrupp!

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