Bericht zum Besuch in Herzliya im Rahmen der Kooperation mit der Radzyner Law School

Reisetag 1: Montag, 15. Oktober 2018
Besuch des Interdisciplinary Center

An unserem ersten Tag der Studienreise besuchten wir die Radzyner Law School des Interdisciplinary Center (IDC) in Herzliya. Dort wurden wir herzlich von Herrn Dekan Professor Amnon Lehavi, Professor Assaf Jacob, dem bisherigen Programmbeauftragten für den Austausch mit unserer Fakultät, und seinem Nachfolger in diesem Amt, Herrn Professor Lior Barshack, begrüßt. Herr Dekan Lehavi stellte uns sodann die Radzyner Law School vor. Dabei wurde deutlich, dass sich die Fakultät in den 25 Jahren ihres Bestehens zu einem lebhaften Zentrum interdisziplinärer Juristenausbildung und rechtswissenschaftlicher Forschung entwickelt hat und sehr nette und engagierte Fakultätsmitglieder versammelt. Die Interdisziplinarität des IDC Herzliya wird dabei auch um eine starke Internationalität ergänzt.

Den Auftakt zu vier sehr informativen und spannenden Vorträgen, die dankenswerterweise für unsere Delegation zusammengestellt wurden, machte Herr Professor Lior Barshack mit einem interessanten Einblick in seine Forschung zu „Recht und Religion in Israel“. Das Thema wurde anhand zahlreicher Beispiele erläutert. Herr Professor Barshack berichtete u.a. über das Law of Return aus dem Jahr 1950 und zeigte auf, dass dieses zentrale Gesetz die Frage nach dem Souverän aufwirft, ob dieser nämlich geographisch zu bestimmen ist oder sich auf alle Juden weltweit erstreckt. Sein Bericht zu Heirat und Scheidung in Israel stellte uns eine sich vom deutschen Recht unterscheidende Rechtsordnung mit religiöser Ehe vor. Der Vortrag schloss mit den weiteren interessanten Themenfeldern der Religion im Schulunterricht sowie der Religion im öffentlichen Raum.

Es schloss sich ein Vortrag von Herrn Professor Aharon Barak zum israelischen Verfassungsrecht an. Von Hause aus Privatrechtler lehrte Herr Professor Barak zunächst an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Von dort wechselte er an das Oberste Gericht in Israel, dem er von 1995 bis 2006 als Präsident vorstand. Da das Oberste Gericht in Israel auch die Funktionen eines Verfassungsgerichts wahrnimmt, war und ist er ebenfalls intensiv mit dem Verfassungsrecht befasst. Den Gegenstand seines Vortrags, die Schaffung der Verfassung Israels, umschrieb er als das Bauen eines Schiffs nicht nur in einer Werft, sondern zuweilen auch auf hoher See. Aus seinen beeindruckenden Ausführungen u.a. zum Konzept der Menschenwürde, aus dem auch weitere ungeschriebene Freiheitsgrundrechte, Gleichheitsrechte und soziale Grundrechte abgeleitet werden, ließ sich erahnen, welchen Einfluss er auf die Fortentwicklung der israelischen Rechtsordnung als Wissenschaftler und Richter genommen hat und nimmt.

Auf großes Interesse stießen auch die Vorträge von Prof. Yoram Shachar und Prof. Dov Greenbaum. Prof. Shachar referierte über die Geschichte des Rechtssystems Israels, dessen Wurzeln u.a. im ottomanischen Recht des 16. Jhd. liegen und das in der Folgezeit bis in das 20. Jhd. zahlreiche Einflüsse bspw. aus dem britischen und französischen Rechtskreis erfahren hat. Prof. Shachar spannte den historischen Bogen mit sehr interessanten Erläuterungen über vier Jahrhunderte, behandelte die für Rechtswissenschaftler stets bedeutsame Frage, in welchem Umfang bzw. auf welche Weise das Recht in der jeweiligen Epoche der Rechtsentwicklung kodifiziert war und stellte schließlich die Verbindungslinien der historischen Entwicklungsschritte zum heutigen Rechtssystem Israels heraus. Anschließend gewährte uns Prof. Greenbaum mit einem Vortrag über Recht und Technologie in Israel einen Einblick in die sehr umfangreiche Forschungstätigkeit der Radzyner Law School im Bereich des Rechts neuer Technologien. Wir erfuhren von zahlreichen Projekten, die praxisnahe Rechtsanwendung mit akademischer Ausbildung verbinden, indem sie die Studierenden und Unternehmen aktiv in die Entwicklung des Technologierechts einbeziehen. Die uns vorgestellten Forschungstätigkeiten erstrecken sich über ein weites Themenspektrum, seien es die Entwicklung neuer Arzneimittel, zahlreiche Aspekte der Digitalisierung oder die Weiterentwicklung von Transportmitteln. Auf diese Weise erhielten wir einen interessanten Einblick in die innovative Verknüpfung von Ausbildung und Forschung am IDC. Im Anschluss an die Vorträge hatten wir stets die Gelegenheit zu einer regen und zu weiteren Einsichten führenden Diskussion, in der wir über Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Rechtsordnungen sowie mögliche künftige Rechtsentwicklungen sprachen. Wir sind dankbar für die Bereitschaft aller Referenten, uns mit spannenden Vorträgen einen Einblick in die vielfältigen akademischen Tätigkeitsbereiche an der Radzyner Law School des IDC gewährt zu haben.

Reisetag 2: Dienstag, 16. Oktober 2018
Besuch in Tel Aviv

Für unseren zweiten Reisetag haben wir uns vorgenommen, Tel Aviv zu Fuß zu erkunden. Von Gordon Beach aus liefen wir durch das Stadtzentrum, vorbei an vielen bunten Märkten, für die Tel Aviv u.a. berühmt ist. Am Rothschild Boulevard angekommen, erliefen wir uns die „Weiße Stadt“, die ihren Namen durch die ca. 4000 Gebäude im Bauhausstil der 1930er Jahre erlangte. Die Gebäude, die von deutsch-jüdischen Architekten nach ihrer Vertreibung aus Deutschland während des Nationalsozialismus errichtet wurden, zählen heute überwiegend zum UNESCO Weltkulturerbe. Von dort aus führte uns unser Weg durch Neveh Tzedek, das 1887 gegründet wurde und damit das älteste Viertel Tel Avivs darstellt. Die Vielseitigkeit der Stadt wurde besonders deutlich, als wir von dem ruhigen und beschaulichen Neveh Tzedek in den jüngsten Teil der Stadt, Florentin, gelangten. Benannt ist dieser Stadtteil nach David Florentin, einem griechischen Juden, der hier zahlreiche Grundstücke in den späten 1920er Jahren erwarb. In den Anfängen wurde Florentin von vielen jüdischen Einwanderern aus Griechenland, der Türkei oder Nordafrika bewohnt. Heute leben auch viele Künstler in dieser Gegend, die mit ihren Arbeiten zu dem besonderen Charme dieses Viertels beitragen.

Der Nachmittag unserer Tel Aviv-Exkursion bot einen Kontrast zum Bauhausstil und der modernen Architektur des Stadtzentrums. Wir liefen weiter Richtung Süden und erkundeten den Stadtteil Jaffa, der auf eine über 5000 Jahre währende und sehr bewegte Geschichte zurückblickt. Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass das Gebiet von Jaffa schon 3500 v. Chr. besiedelt war. In der Folge erlebte die Stadt diverse Herrschaftsepochen. Im Altertum herrschten dort meist die Phönizier und danach die Makkabäer, bevor die Römer die Stadt einnahmen. Für die Kreuzfahrer hatte Jaffa in der Folgezeit als der Jerusalem am nächsten gelegene Mittelmeerhafen besonderen strategischen Wert. Dieser alte Hafen, der eine famose Aussicht sowohl auf die historische Altstadt als auch den modernen Teil Tel Avivs bietet, wird in einigen Quellen sogar als der älteste Hafen der Welt bezeichnet. Die Altstadt von Jaffa hat bis heute ihren besonderen Charme bewahrt. In den vergangenen Jahren wurden die zahlreichen Steingebäude mit viel Liebe zum Detail restauriert und beherbergen nun u.a. Galerien, Boutiquen und Restaurants. Aus den oberhalb gelegenen Gärten blickt man auf die Strandpromenade Tel Avivs. 

Reisetag 3: Mittwoch, 17. Oktober 2018
Geschichtsstunde in der Wüste

Über Jerusalem machten wir uns am Mittwoch auf den Weg zum Masada Nationalpark, welcher nach der gleichnamigen jüdischen Festung Masada benannt ist und im Jahre 2001 von der UNESCO in die Reihe der Stätten des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Masada selbst heißt auch der Tafelberg, der Teil des umliegenden Gebirges ist und an den Ufern des Toten Meeres zwischen dem Gebirge Sodom und der Oase Ein Gedi liegt. Ihren Status als Weltkulturerbe hat die Festung aufgrund ihrer bedeutsamen Geschichte erlangt: sie gilt als die letzte Zufluchtsstätte jüdischer Freiheitskämpfer gegen die römische Armee und symbolisiert den gewaltsamen Untergang Judäas am Ende der Zeit des Zweiten Tempels. Nachdem die Römer 70 nach Christus Jerusalem erobert hatten, lehnten sich fast 1000 jüdische Männer, Frauen und Kinder gegen sie auf und zogen sich nach Masada zurück. Dort lebten sie drei Jahre in vollständiger Selbstversorgung.

Besonders an den beeindruckenden Zisternen, den enormen Wasserreservoirs, die sowohl die Trinkwasserversorgung als auch – zu Zeiten Herodes – den Betrieb der unzähligen antiken Thermen sichern sollten, lässt sich diese Autarkie erkennen. Die Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes ist bei einem Gang über das 300m mal 600m große Gipfelplateau noch heute eindrucksvoll zu spüren. Im Anschluss fuhren wir zum Ufer des Toten Meeres und durften nicht nur die einzigartige Beschaffenheit der Meereslandschaft, sondern auch die Umgebung erkunden. Auf dem anschließenden Rückweg nach Herzliya konnten wir von der Gedenkstätte Andartat Chativat haNegev das nächtliche Leuchten der Stadt Be’er Scheva betrachten, einer Großstadt im Süden Israels, die als die „Hauptstadt der Wüste Negev“ bezeichnet wird.

Reisetag 4: Donnerstag, 18. Oktober 2018
Ein Tag in Jerusalem

Am Donnerstag besuchten wir Jerusalem. Als ersten Halt sahen wir uns die Himmelsfahrtkirche auf dem Ölberg an, der nordöstlich des Zentrums Jerusalems gelegen ist. Auffällig waren die vielen Dekorationen, welche die deutschen Wurzeln der Kirche erkennen ließen. Auch in dem Empfangsraum auf dem Weg zum Glockenturm fand sich z. B. das Wappen von Kaiser Wilhelm II., der den Bau der Kirche ermöglichte. Oben auf dem Glockenturm, der mit Glocken aus Apolda bestückt war, hatten wir eine wunderbare Aussicht über die Stadt. Der zweite Halt war ein Aussichtspunkt oberhalb des vor der Altstadt gelegenen jüdischen Friedhofs, der einen ersten Eindruck von der Vielfalt Jerusalems bot. Am Tempelberg angekommen, hatten wir Gelegenheit, die goldene Kuppel des berühmten Felsendoms anzusehen. Weiter ging es durch die bunten Gassen des Suqs und sodann besuchten wir die Klagemauer und anschließend die Grabeskirche. Weiterhin führte uns der Weg in den Garten Getsemane und an das Mariengrab. Der Besuch in Jerusalem hat uns nachhaltig beeindruckt. Wir machten uns zum Abend von dort aus auf den Weg zum Markt „Mahane Yehuda“. Auch auf dem Markt konnte man das Zusammenleben der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen miterleben. Unser Besuch endete mit einem Abendessen in der Nähe des Marktes und mit einem Austausch der vielfältigen Eindrücke einer unvergesslichen Reise.

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