14.10.2020

Juristische Fakultät trauert um Harry Radzyner, einen großen Freund und Förderer

Foto: Land NRW

Die Juristische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf trauert um Dr. h.c. Harry Radzyner, einen besonderen Freund der Fakultät. Radzyner starb am 11. Oktober 2020 im Alter von 87 Jahren.

Harry Radzyner war der Juristischen Fakultät mehr als zwanzig Jahre lang eng verbunden, er hat zahlreiche Projekte angestoßen und unterstützt. Er hat über Generationen hinweg Studierende und Wissenschaftler beeindruckt, inspiriert und zusammengeführt. Im übertragenen Sinne war Harry Radzyner ein Brückenbauer.

Radzyner wurde 1933 in Łódź geboren. Nach dem deutschen Überfall auf Polen lebte er zunächst im Ghetto und kam mit seiner Familie in verschiedene Konzentrationslager. Seine Mutter starb dort kurz vor Kriegsende, Radzyner wurde befreit. Er selbst sprach davon, er habe die Hölle der KZ als Erwachsener verlassen. Mit seinem Vater ging Radzyner zunächst nach Österreich, sodann verließ er Europa in Richtung USA, wo er Maschinenbau studierte. Bei einer Reise nach Wien lernte er seine spätere Frau Micheline kennen; die beiden beschlossen, sich in Düsseldorf niederzulassen. Radzyner machte sich als Unternehmer selbstständig und eröffnete eine Schmuckhandlung.

1994 trat der angesehene israelische Verfassungsrechtsprofessor Uriel Reichmann auf Radzyner zu und überzeugte ihn, die Gründung einer privaten Universität in Herzliya, einem Vorort von Tel Aviv, zu unterstützen. Radzyner machte mit. An dieser Universität, dem Interdisciplinary Center (IDC) Herzliya, entstand die Harry Radzyner Law School, die heute einen ausgezeichneten Ruf für die rechtswissenschaftliche Forschung und Lehre in Israel und darüber hinaus hat. Zur gleichen Zeit wurde die Juristische Fakultät in Düsseldorf ins Leben gerufen – jenem Ort, den Radzyner und seine Frau inzwischen als ihre Heimat ansahen. Radzyner brachte die beiden zufällig zeitgleich gegründeten Fakultäten in Verbindung. Im April 1996 nahmen drei Professoren aus Düsseldorf, Heinrich Dörner, Juliane Kokott und Janbernd Oebbecke, an einem Symposium in Herzliya teil. Die Idee einer Universitätspartnerschaft war geboren. Sie wurde von Harry Radzyner von Beginn an tatkräftig unterstützt. Inzwischen zählt der regelmäßige Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden aus beiden Fakultäten zu den wichtigsten Momenten im akademischen Jahr der Düsseldorfer Juristischen Fakultät. Zahlreiche Studentinnen und Studenten konnten in deutsch-israelischen Seminaren fachliche Themen gemeinsam diskutieren sowie Land und Leute kennenlernen. Erst im vergangenen Jahr wurde die seit zwanzig Jahren bestehende Partnerschaft in einer feierlichen Zeremonie in Herzliya um weitere fünf Jahre verlängert.

Schon 1991 gründete Radzyner die Moe Radzyner Stiftung Brückenschlag. Der Name dieser Stiftung drückt ihr Anliegen aus. Immer wieder hat die Stiftung Brückenschlag auch Projekte der Heinrich-Heine-Universität unterstützt. Ihr vorrangiges Ziel ist entsprechend dem Wunsch Radzyners nach Aussöhnung der Austausch der Studierenden aus Israel und Deutschland. Daneben vergibt sie jedes Jahr einen Preis für die besten Studienleistungen im Schwerpunktbereich „Recht der Politik“.

Ein besonderes Anliegen war Radzyner die Förderung der juristischen Forschung zu medizinischen Fragen. 2002 konnte mit seiner Hilfe das Institut für Rechtsfragen der Medizin substantiell erweitert werden, es trägt seither den Namen seiner Frau, der Kinderärztin Dr. med. Micheline Radzyner. Das Institut bemüht sich um eine enge Zusammenarbeit zwischen Medizin und Jura. Inzwischen werden die Erkenntnisse nicht nur in der Forschung sichtbar gemacht, sondern auch über einen eigenen LL.M.-Studiengang weitergegeben.

Die Juristische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität verlieh Harry Radzyner 1998 die Ehrenmedaille der Universität und 2002 in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät. 2008 ernannte die HHU Radzyner zum Ehrensenator. 2019 erhielt Radzyner die Ehrendoktorwürde des IDC Herzliya, u.a. im Beisein der HHU-Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck und der damaligen Dekanin der Juristischen Fakultät Prof. Dr. Nicola Preuß. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Ordens des Landes NRW. Die Rektorin der HHU, Prof. Dr. Anja Steinbeck, würdigte Harry Radzyner als einen außergewöhnlichen Menschen: „Er hat nicht nur viele Projekte im Streben nach Bildung und Frieden großzügig unterstützt, sondern auch das positive Denken im Allgemeinen. Wir alle sind sehr dankbar für seine Unterstützung und wir werden ihn vermissen.“

Zu vielen Mitgliedern der Fakultät hielt Radzyner freundschaftliche Kontakte, seine zupackende Tatkraft und seine lebensbejahende Art waren ansteckend. Dekan Prof. Dr. Christian Kersting: „Harry Radzyner hat viele Brücken gebaut und Generationen von Studierenden aus Israel und Deutschland zusammengebracht. So wie er uns ein Freund war, hat er viele Freundschaften ermöglicht. Wir werden ihn nicht vergessen.“

Die Juristische Fakultät der HHU verdankt Harry Radzyner viel und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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