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Justizkolloquium: Abschluss mit Zeitzeugin Eva Weyl und Minister

Zum Abschluss des Justizkolloquiums trafen die Jura-Studierenden aus dem zweiten Semester der Heinrich-Heine-Universität Eva Weyl, eine Zeitzeugin des Nazi-Unrechts. Sie erzählte im Foyer des Oberlandesgerichts Düsseldorf am 8. Juli 2026 von ihren Erfahrungen. Eva Weyl ist Jüdin. Ihre Familie war vor den Nationalsozialisten aus Kleve in die Niederlande geflüchtet. Als siebenjähriges Mädchen wurde sie 1942 im Durchgangslager Westerbork interniert. "Fünfmal sollten wir in ein Vernichtungslager deportiert werden, doch fünfmal geschah ein Wunder, und wir überlebten", erzählte sie. Weyl schilderte bewegend ihre Lebensgeschichte: von der Entrechtung und Enteignung ihrer Familie, wie ihre Mutter versuchte, sie zu schützen, und wie sie nach 1945 mit ihren Erfahrungen umging. Berührend war auch ihre Schilderung, wie sie erst vor acht Monaten Wolfgang Polak wiedertraf, der an dem Abend in Düsseldorf im Publikum saß – beide waren gemeinsam im Lager Westerbork gefangen.

Der Abend mit Eva Weyl bildete den Abschluss des Justizkolloquiums. Das Justizkolloquium ist ein Angebot an die Studierenden im zweiten Semester der HHU. In kleinen Gruppen lernen sie mit Richterinnen und Richtern, Staatsanwältinnen und Staatsanwälten die Justiz kennen, blicken hinter die Kulissen des Betriebs, besichtigen eine Justizvollzugsanstalt und erfahren schon in einem frühen Zeitpunkt des Studiums, was es heißt, als Juristin oder Jurist Entscheidungen zu fällen.

Vor diesem Hintergrund wurde auch der spontane Auftritt eines pensionierten Richters ein besonderer Moment: Eva Weyl sah im Publikum Wolfgang Steffen. Er hatte als junger Jurist die strafrechtliche Untersuchung gegen den Lagerkommandanten von Westerbork geführt und Beweise für eine Verurteilung gesammelt. "Dass gegen ihn dann kein Strafverfahren eröffnet wurde, war die größte berufliche Enttäuschung meines Lebens", so Steffen. Die Studierenden stellten unter der Moderation von Dirk Reitzig (Dokumentations- und Forschungsstelle Justiz & Nationalsozialismus) Fragen an Eva Weyl.

Die besondere Bedeutung der Veranstaltung wurde dadurch unterstrichen, dass zahlreiche Ehrengäste der Einladung von OLG und HHU gefolgt waren: NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach, seine Staatssekretärin Dr. Daniela Brückner, Dr. Oded Horowitz (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Düsseldorf), die Beauftragte des Landes NRW zur Bekämpfung von Antisemitismus Sylvia Löhrmann und zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Justiz waren gekommen. Mit ihnen kamen die Düsseldorfer Studierenden nach der Veranstaltung bei einem Empfang noch ins Gespräch.

In seinem Grußwort lobte Minister Limbach das Düsseldorfer Justizkolloquium als wichtige Einrichtung, um dem juristischen Nachwuchs schon früh zu zeigen, welche Verantwortung die Justiz trägt.

Prof. Dr. Rupprecht Podszun bedankte sich als Dekan der Juristischen Fakultät bei OLG-Präsident Dr. Werner Richter und seinem Team für diese einzigartige Möglichkeit. In seiner Begrüßung betonte er, dass Jura mehr sei als ein Handwerk, Juristinnen und Juristen hätten eine Verantwortung für das System. "Selbst wenn wir nur einen kleinen Schuldrechtsfall lösen, stehen wir doch immer mit beiden Beinen auf dem Fundament, das das Grundgesetz und die europäischen Verträge legen: Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit, Schutz der Grundrechte." Das Gespräch mit den letzten Zeitzeugen des nationalsozialistischen Unrechtsstaats helfe, besser zu verstehen, dass dies Errungenschaften sind und woher sie kommen.

OLG-Präsident Richter hob in seinen Dankesworten an Eva Weyl hervor, dass sie trotz der bedrückenden Erfahrungen eine große Lebensfreude ausstrahle – auch das sei ein Signal an die junge Generation. Weyl erklärte, sie wolle es noch erleben, dass in ihrer Heimatstadt Kleve das Haus des Erinnerns und Gedenkens, für das sich auch der Klever Landgerichtspräsident Andreas Vitek stark macht, eröffnet werde. Den Studierenden rief sie zu: “Ihr seid jetzt Zweitzeugen!”