Revolution im Recht? Künstliche Intelligenz in Forschung und Lehre
Wie verändert KI das Recht, die Forschung und die Lehre in Jura? Dieser Frage haben sich die Professorinnen und Professoren der Juristischen Fakultät der HHU bei ihrer Strategiesitzung am 25. November 2025 gewidmet. Die Informationsverarbeitung mit Hilfe von KI-Tools wird von vielen als gravierende Veränderung im Recht wahrgenommen. Berichte, dass eine KI das anspruchsvolle New York Bar Exam besteht, dass Kanzleien due diligences durch KI durchführen lassen oder in Schriftsätzen halluzinierte Urteile aufgeführt werden, sind dabei nur die Spitze des Phänomens.
Die Juristische Fakultät der HHU hat schon früh mit dem Begleitstudiengang "Recht der Künstlichen Intelligenz" das Thema offensiv angegangen. Prof. Dr. Justus Vasel, der für den Studiengang verantwortlich ist, organisierte auch die Strategiesitzung. Den Auftakt machte ein Impuls der Informationswissenschaftlerin Frauke Birkhoff, die an der Universitäts- und Landesbibliothek für KI-Themen zuständig ist. Sie probierte mit den Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern auch spezifische KI-Programme wie "Frag den Grüneberg" oder DeepResearch-Programme aus. Nicht alle Ergebnisse konnten überzeugen.
Für Studierende und Lehrende gab Frauke Birkhoff fünf Kontroll-Fragen mit, die sie sich stets stellen sollten, wenn sie mit KI arbeiten:
Bin ich in der Lage, die Antwort zu evaluieren?
Auf welche Datenbasis wird zurückgegriffen?
Wie gut passen die generierten Ergebnisse zu den zitierten Dokumenten (Quellentreue)?
Wie reproduzierbar sind die Antworten, erhalte ich für einen prompt drastisch unterschiedliche Ergebnisse?
Wie geht das Tool mit irreführenden, unvollständigen oder unlösbaren Anfragen um?
Einen zweiten Impuls gab die Medieninformatikerin Selina Müller vom Heine Center for Artificial Intelligence and Data Science (HeiCAD). Das HeiCAD an der HHU ist eine erfolgreiche Institution, die zu KI arbeitet. Sie wird von Informatik-Prof. Dr. Martin Mauve geleitet, Professor Vasel ist stellvertretender Direktor. Der Kurs "KI für alle", den das HeiCAD entwickelt hat, ist deutschlandweit zum Erfolgsschlager geworden und wird an zahlreichen Universität genutzt. Selina Müller gab zahlreiche Anregungen für einen reflektierten Umgang mit KI in der Lehre.
Justus Vasel selbst gab schließlich einen Impuls für eine KI-Strategie der Fakultät. Er betonte den Wert des "Schreibdenkens": Das Recherchieren, Sortieren, Aufschreiben, Korrigieren von Gedanken ist ein Prozess, den KI abnimmt. Dadurch entsteht die Gefahr, die zentrale Fähigkeit des Denkens zu verlernen. Vom verrottenden Gehirn, dem "brain rot", ist in diesem Zusammenhang oft die Rede.
Doch die Diskussionen gingen nicht nur um Risiken von KI, sondern sahen auch die Chancen für eine verbesserte Qualität von juristischer Arbeit, höherer Effizienz und neuen Möglichkeiten. Für die Hochschullehre stellt sich die Frage, wie mit Hausarbeiten umzugehen ist, die mit Hilfe von KI gefertigt werden. Zudem wird durch die neuen Entwicklungen die Frage aufgeworfen, wie sich die Ausbildung ändern sollte, damit Studierende für einen KI-geprägten Arbeitsmarkt ausgebildet sind. Dabei geht es nicht nur um die Nutzung von KI-Tools, sondern noch grundlegender um die Frage, welche Fähigkeiten Juristinnen und Juristen in der Zukunft benötigen. Schließlich ist KI auch für die juristische Forschung relevant: Datenmengen können anders verarbeitet werden, Ergebnisse von juristischer Forschung können anders verbreitet werden. An mehreren Lehrstühlen laufen bereits Projekte, in denen KI auch Gegenstand der juristischen Forschung ist.
Die Vorträge lösten lebhafte Diskussionen unter den Professorinnen und Professoren aus. Beschlüsse wurden noch nicht gefasst. Alle Mitglieder der Fakultät, auch Studierende, sind herzlich eingeladen, den Prozess weiter zu verfolgen und mitzugestalten.