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SCiDA-Konferenz: Wie schützt Recht den Wettbewerb auf digitalen Märkten?

Über 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Europa und darüber hinaus trafen sich am 26. und 27. Mai 2026 in Düsseldorf, um über Fragen des Wettbewerbs und der Digitalregulierung zu diskutieren. Die internationale Konferenz wurde vom SCiDA-Projekt ausgerichtet, einem gemeinsamen Drittmittelprojekt der Heinrich-Heine-Universität und der University of Exeter. SCiDA steht für "Shaping Competition in the Digital Age". Teams an der HHU und in England forschen zu der Frage, wie die Regulierung von Gatekeeper-Unternehmen ("Big Tech") funktioniert. Sie vergleichen dazu die wettbewerbsorientierten Regelungsansätze in der Europäischen Union (Digital Markets Act), Großbritannien (Digital Markets Consumer Competition Act) und Deutschland (§ 19a GWB). In Düsseldorf leitet Prof. Dr. Rupprecht Podszun das Projekt, in Exeter Prof. Dr. Oles Andriychuk. Die Konferenzorganisation hatte federführend Dr. Kena Zheng aus Düsseldorf in ihren Händen.

Die Konferenz wurde durch ein aufrüttelndes Opening Statement von Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, eröffnet: Gegen die Macht der großen Digitalkonzerne helfe nur noch eine harte Regulierung. Der kartellrechtliche Regelungsansatz führe nicht zu den erwünschten Ergebnissen. Martijn Snoep, Chef der niederländischen Wettbewerbsbehörde, und Michal Gal, Professorin in Haifa und frühere Präsidentin der Academic Society for Competition Law, setzten im Kamingespräch Schwerpunkte auf die Bewahrung der Souveränität Europas und riefen dazu auf, die Wahlmöglichkeiten zu stärken, die die EU im geopolitischen Spiel noch immer habe. Alberto Bacchiega, zuständiger Direktor für den DMA bei der EU-Kommission, verteidigte den Track Record der Kommission. Elodie Vandenhende von der französischen Wettbewerbsbehörde hob die Rolle der nationalen Behörden hervor. An den Roundtables am ersten Konferenztag nahmen auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Giorgio Monti (Tilburg), Peter Picht (Zürich), Niamhe Dunne (London), Ioannis Lianos (London) und Alba Ribera Martinez (Villanueva) teil. In 16 Paper-Präsentationen am ersten Tag wurden die Themen vor allem von jungen Forschenden in der Tiefe ausgelotet. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Verschiebungen durch KI. Die Forschenden erwarten hier aber jedenfalls keine massive Veränderung im Machtgefüge der Big Tech-Konzerne. Das zeigte eine digitale Live-Abstimmung, bei der das Auditorium über verschiedene Thesen abstimmen musste.

Den zweiten Tag eröffnete ein Gespräch mit Marcus Bokkerink, der als Chef der britischen Kartellbehörde im vergangenen Jahr aus Protest gegen Interventionen der Regierung zurückgetreten war. Er mahnte ein schärferes Vorgehen gegen Big Tech an. In weiteren 15 Vorträgen wurden Fragen wie Selbstbevorzugung durch die Konzerne oder die richtigen Abhilfemaßnahmen ("remedies") diskutiert. Ein Panel widmete sich den Unterschieden zwischen dem deutschen und dem britischen Vorgehen.

Im Perspektiven-Panel gaben Fernando Castillo de la Torre (Legal Service der EU-Kommission), Josef Drexl (Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb), Jens-Uwe Franck (Mannheim) und Inge Graef (Tilburg) Impulse für die Weiterentwicklung der digitalen Regulierung. Den krönenden Abschluss bildete ein Vortrag der Generalanwältin beim Europäischen Gerichtshof, Juliane Kokott, die in den 1990er Jahren in Düsseldorf den Lehrstuhl für Europa- und Völkerrecht innegehabt hatte. Sie analysierte die Rechtsprechung zur sog. Essential-Facilities-Doktrin, die mit dem Fall Android Auto kürzlich ein spannendes Update erhielt. Zugang und Interoperabilität – das war ein wiederkehrendes Ergebnis der Konferenz – sind extrem wichtig, um Wettbewerb zu sichern.

Oles Andriychuk und Rupprecht Podszun schlossen die Konferenz im Haus der Universität mit einem Plädoyer für das "Entdeckungsverfahren Wettbewerb". Dass massiver Forschungs- und Handlungsbedarf besteht, wurde eindrücklich deutlich.

Das Düsseldorfer Organisationsteam wurde von Kena Zheng, Sarah Hinck, Sebastian Steinert und Birte Krüger gebildet, die tatkräftig vom Team des Lehrstuhls von Professor Podszun und von Pavlina Hubkova (Exeter) und Anush Ganesh (Leeds) sowie den HHU Alumni Jasper van den Boom (Leiden) und Tristan Rohner (Bucerius Law School Hamburg) unterstützt wurden. Die Teilnehmenden begaben sich im Anschluss an die Konferenz im Rahmen einer lustigen Schnitzeljagd durch Düsseldorf auf ein "Entdeckungsverfahren Wettbewerb" der etwas anderen Art. 

Die Arbeit des SCiDA-Projekts wird auf www.scidaproject.com durch Blogs, Podcasts, den DMA Explorer und eine umfassende Datenbank sowie Hinweise auf die wissenschaftlichen Veröffentlichungen dokumentiert. SCiDA wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Arts and Humanities Research Council (UK) gefördert.